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Vor 512 Jahren tritt Martin Luder dem Orden der Augustinereremiten bei

Das Bild zeigt einen runden Gewölbeschlussstein, auf dem der heilige Augustinus aus dem Augustinerkloster in Erfurt abgebildet ist.

Unter den wachsamen Augen des heiligen Augustinus, der als Schlussstein das Gewölbe ziert, sucht ein Mönch in den dicken Folianten der Bibliothek des Erfurter Augustinerklosters verzweifelt nach Antworten. Arge Selbstzweifel und eine tiefe Jenseitsfurcht plagen den jungen Mann, seit er am 17. Juli 1505 der Welt entsagt und in den Orden der Augustinereremiten eingetreten ist.

Bei dem Unglücklichen handelt es sich um Martin Luder, der später als Martin Luther zu Weltruhm gelangen wird. Könne er als sündiger Mensch vor dem strengen Herrgott jemals Gnade finden? Genügen dafür seine Selbstkasteiung, seine ständigen Beichten und seine strikte Regeltreue? Fast stündlich stellt Luder sich diese Fragen und irrt durch die Gemäuer des Augustinerklosters, vorbei an dem Gewölbeschlussstein mit dem Konterfei des heiligen Augustinus, der in der Nationalen Sonderausstellung „Luther! 95 Schätze – 95 Menschen“ im Augusteum in Lutherstadt Wittenberg zu sehen ist.

In seiner Not sucht Luder in den Werken der Kirchenväter nach Wegen zum gnädigen Gott, obwohl seine Lehrer ihm von deren „gefährlicher Lektüre“ abgeraten hatten. Einige Jahre danach stößt er, inzwischen in Wittenberg zum Professor ernannt, ausgerechnet in den Schriften seines Ordenspatrons Augustinus auf einen entscheidenden Hinweis, der seine spätere Entwicklung zum Reformator zusätzlich befeuert: Der Mensch könne sich gar keine Verdienste im Himmel erkaufen - folglich müsse Gottes Gnade dann ein Geschenk sein! Plötzlich erschließt sich Luder nun auch ein zentraler Bibelvers des Apostel Paulus: „Der Gerechte wird aus Glauben leben“ (Röm 1,17): Nur durch den Glauben an den Opfertod Christi kann der Mensch die Gnade Gottes erhalten. Durch diese neuen Erkenntnisse fällt Martin Luder eine große Last von den Schultern, die einst schwer schien wie jener Schlussstein im Erfurter Kloster. Nun fühlt er sich frei, wie neugeboren. Diese neu gewonnene Freiheit wird er 1517 auch in seinem Namen ausdrücken und sich „Martin Luther“ nennen - hergeleitet von dem griechischen „Eleutherius“, was „der Befreite“ heißt. Seine neuen Theorien veranlassen Martin Luther nun auch, gegen – wie er glaubt – falsche Auffassungen von Schuld und Buße vorzugehen: Mit seinen 95 Thesen gegen den Ablass legt Luther schließlich den Grundstein für die Reformation.